WAS UNSERE PARTEI KENNZEICHNET: Die politische Kontinuität von Marx zu Lenin bis zur Gründung der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Partei Italiens (Livorno 1921); der Kampf der Kommunistischen Linken gegen die Degeneration der Kommunistischen Internationale, gegen die Theorie des “Sozialismus in einem Land” und die stalinistische Konterrevolution; die Ablehnung von Volksfronten und des bürgerlichen Widerstandes gegen den Faschismus; die schwierige Arbeit der Wiederherstellung der revolutionären Theorie und Organisation in Verbindung mit der Arbeiterklasse, gegen jede personenbezogene und parlamentarische Politik.

Aus dem Parteileben

Berliner Sektion/deutschsprachiger Raum

Die Themen unserer Veranstaltungen waren:

26.09.2024 in Berlin: Krieg nach außen ist auch Klassenkrieg nach innen – Sozialabbau, Massenentlassungen, Betriebsschließungen…

26.09.2024 in Wien: Antifaschismus oder revolutionäre Perspektive?

31.10.2024 in Berlin: Die Regierungspolitik der Ampel und der Krieg – Vom erhofften Profiteur der NATO-Kriegspolitik zu einem Hauptleidtragenden der Kriegskrise

02.11.2024 auf der „Linken Literaturmesse“ in Nürnberg: Der kurze Weg der autonomen Antifa vom Selbstschutz zur Demokratie-NGO. Nicht nur die Veranstaltung selber war mit ca. 70 TeilnehmerInnen gut besucht und es gab rege Diskussionen, auch unser Bücherstand auf der Literaturmesse stieß auf Interesse. Viele AktivistInnen sahen ein Problem in der „Kaperung“ des Antifaschismus durch den Staat, fragten aber, ob man den Begriff des Antifaschismus nicht für die gewollte „radikale Praxis“ „retten“ könnte. Unsere diesbezüglich negative und historisch einordnende Antwort stieß auch auf das Problem, das viele Jüngere gar keinen Bezug mehr zur historischen kommunistischen Bewegung haben und vieles für uns Selbstverständliche einfach nicht mehr kennen. Insgesamt gab es aber erstaunlich wenig Widerspruch zu unserer Fundamentalkritik. Das Referat ist in dieser Ausgabe als Artikel enthalten.

28.11.2024 in Berlin: Der Kampf der Kommunistischen Linken gegen die nationalistischen und demokratischen Abweichungen und den Opportunismus in der historischen Kommunistischen Internationale. Hier haben wir den jüngeren Teilnehmern die Thesen von Lyon vorgestellt, mit denen die Kommunistische Linke 1926 den Kampf gegen den Opportunismus in der Kommunistischen Internationale auf eine feste Grundlage gestellt hatte. Die Ähnlichkeit der damals kritisierten Vorstellungen mit den heute in den neuen K-Gruppen vorherrschenden Meinungen wurde in der weiteren Diskussion deutlich.

10.01.2025 in Berlin: 110 Jahre „Zimmerwalder Konferenz“ und der Kampf Lenins gegen den Opportunismus. Die historischen Ereignisse wurden in der gut besuchten Veranstaltung zum Anlass genommen, um die Schwankungen auch der heutigen pseudo-radikalen Linken in der Kriegsfrage aufzuzeigen.

27.02.2025 in Berlin: Kurdistan – Friedensprozess oder „demokratische“ Kollaboration mit dem türkischen Imperialismus? Durch Zufall fand diese Veranstaltung genau an dem Tag der Veröffentlichung von Öcalans Erklärung statt, was zu zusätzlichen Besucherinnen und einer lebendigen Diskussion führte. Das Referat ist in dieser Nummer abgedruckt.

Friedensdemonstration am 03. Oktober in Berlin

Hier verteilten wir unser Flugblatt mit dem Titel „Keinen Frieden mit dem Kapitalismus!“ und stellten einen kleinen Infotisch auf. Bei dem gemischten und sehr unterschiedlichen Publikum aus ca. 40.000 Teilnehmern stießen wir teils auf reges Interesse.

Januar 2025: Luxemburg-Liebknecht-Lenin

Das Wochenende vom 10. bis 12. Januar waren drei Tage intensiver internationaler Arbeit, an denen Genossen und Sympathisanten aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz teilnahmen. Am 10. Januar hielten die deutschen Genossinnen und Genossen eine öffentliche Veranstaltung zum Thema „110 Jahre ‘Zimmerwalder Konferenz’ und der Kampf Lenins gegen den Opportunismus“ ab. Um es auf den Punkt zu bringen: Es reicht nicht, generell „gegen alle Kriege“ zu sein, es reicht auch nicht zu zeigen, dass der Krieg ein natürliches Produkt des Kapitalismus ist, der seine imperialistische Phase erreicht hat. Nur die kommunistische Revolution kann den Kriegen ein für allemal ein Ende setzen. Deshalb dient unsere Losung „Den imperialistischen Krieg in einen Bürgerkrieg verwandeln“ dazu, die Schwätzer und Verräter zu entlarven. So hatte diese Losung die Mehrheit der Sozialisten, die sich 1915 in Zimmerwald und ein Jahr später in Kienthal versammelten, erschreckt, indem sie deren Charakter als Revolutionäre in Worten und Reformisten in Taten enthüllt hatte und somit die Spreu vom Weizen getrennt. Und das ist unsere Lehre für heute, angesichts der zahllosen Aufrufe zu Einheitsfronten und Friedenskomitees. Es ist die Aufgabe der Partei, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten an allen Antikriegsdemonstrationen zu beteiligen: aber sie tut dies, um die Front des Kampfes von unten zu vereinen, mit dem Defätismus gegen die eigene Bourgeoisie und den eigenen Staat, und gewiss nicht, um Bündnisse mit anderen politischen Organisationen zu propagieren, die sich mit ihrer idealistischen Arbeit auf rein verbale und klassenübergreifende Appelle beschränken, um das Bewusstsein der Menschen aufzuwecken.

Am Vormittag des 11. Januar wurde in Anwesenheit von Genossen und Sympathisanten der Entwurf unserer Broschüre „Klassenpartei und Gewerkschaftsfrage“ diskutiert, dessen Übersetzung von den deutschen Genossen gerade fertiggestellt wird. Die Sympathisanten stellten konkrete Fragen zum ständigen Problem der Taktik. Wir wollen versuchen, sie zusammenzufassen. „Wie gewinnen wir Einfluss auf die Massen, ohne inhaltliche Zugeständnisse zu machen? In der Schweiz hatten wir die konkrete Situation einer Fabrikschließung: Arbeiter und Gewerkschaften schlugen Selbstverwaltung vor, in der Illusion, Arbeitsplätze zu retten.“ Die Antwort der Kommunisten muss vereinheitlichend sein und über die Perspektive der einzelnen Fabrik hinausgehen: Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung, voller Lohn für die Entlassenen und Arbeitslosen. Gegen die Isolierung in der einzelnen Fabrik und gegen alle Spaltungen, die von den Bossen und ihren Helfern in der Klasse geschaffen werden, zielen unsere Forderungen auf die Schaffung einer breiten Kampffront. Eine andere Frage: „Aber ist der volle Lohn für die Entlassenen und Arbeitslosen das Bürgergeld?“ Nein! Das Bürgergeld ist ein Zugeständnis, mit dem der Staat versucht, der Kampfbereitschaft des Proletariats zuvorzukommen und es abzulenken, der volle Lohn für die Entlassenen und Arbeitslosen, ohne Unterschied z.B. zwischen Staatsbürgern und illegalen Einwanderern, ist eine Eroberung des Proletariats, die es zum Kampf erzieht, es eint und ihm klarmacht, wer seine Feinde sind. Es ist leicht vorauszusagen, dass die Selbstverwaltungsversuche scheitern werden, aber die Kommunisten brauchen nicht aus den heutigen Erfahrungen zu lernen: Sie kennen bereits den künftigen Verlauf des Kampfes. Die Aufgabe der Partei besteht gerade darin, die Klasse daran zu hindern, die gleichen Fehler immer wieder zu wiederholen. Noch einmal: „Was soll man auf die Forderung nach Lohnkürzungen antworten, um Entlassungen zu vermeiden?“ Es reicht nicht zu antworten, dass die Kapitalisten die Gewinne privatisieren und die Verluste sozialisieren: Wir fordern nicht einfach eine „Umverteilung“ des Reichtums, wie es die Mittelklasse und der intelligentere Teil der Bourgeoisie gerne hätte, in der Hoffnung, dass die soziale Bombe nicht explodiert. Wir kämpfen für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen des Proletariats, ohne Rücksicht auf die Vereinbarkeit mit der Unternehmens- und Staatswirtschaft, und perspektivisch fordern wir das gesamte Eigentum an den Produktionsmitteln und am Reichtum. Es gibt keine Zauberformel, weder organisatorisch noch vom Willen her, die uns einen Konsens unter den Massen verschaffen könnte: Die Fähigkeit der Partei, die Geschichte zu verändern, hängt immer von den objektiven Bedingungen ab, die von den sich ständig verschärfenden Widersprüchen des Kapitalismus bestimmt werden und unabhängig vom Willen der Partei sind. Die objektiven Bedingungen setzen die Klasse in Bewegung, zwingen sie zur ökonomischen Selbstverteidigung: Die Partei muss in dieser Bewegung agieren, um die Klasse zu politischen Zielen – der Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise – zu führen. Wir haben die Sympathisanten insbesondere auf unsere Broschüre „Für die unnachgiebige Verteidigung der Lebens- und Arbeitsbedingungen des Proletariats“ hingewiesen. Unsere Verurteilung des Opportunismus ist weder idealistisch noch moralisch: Der Opportunismus ist Ausdruck der Interessen der Mittelklassen, die unter den Widersprüchen des Kapitals leiden und allmählich proletarisiert werden. Andererseits ist die Partei, die sich dafür einsetzt, das Proletariat dem Einfluss des Kleinbürgertums zu entreißen, nicht gleichgültig gegenüber Forderungen, die über das Verhältnis von Kapital und Arbeit hinausgehen, sondern setzt sich zum Ziel, den Kampf in einem rein klassenmäßigen Sinne zu führen, um zu verhindern, dass die Proletarier von den Halbklassen beeinflusst werden. „Was ist der richtige Ansatz der Einheitsfront?“ Die Einheitsfront wird niemals Zwischengruppen und Bündnisse mit anderen politischen Organisationen bedeuten, sondern ist Ausdruck der Taktik der Verbreiterung und Vereinheitlichung der proletarischen Kampffront von unten, notwendigerweise unter Berücksichtigung der objektiven Bedingungen, des Niveaus der Kampfbereitschaft. Eine andere Frage: „Was bedeutet es, ‚die unmittelbaren Organisationen als ‘Transmissionsriemen’ zu benutzen“? Diese Taktik ist durch den Opportunismus, der die unmittelbaren Organisationen zur Durchsetzung seiner Interessen benutzt, verwirrt und verzerrt worden.

Am Nachmittag des 11. Januar konzentrierte sich die Arbeit auf das Thema des organischen Zentralismus. Unsere Art der Organisation kann für junge Menschen, die sich uns annähern, völlig neu sein. Der organische Zentralismus ist weder ein vorgefertigtes Rezept noch ein System von Verhaltenskodizes, an die man sich anpassen muss. Der Prozess der revolutionären Vorbereitung unserer Klasse ist keine Frage von Organisationsformen, die – metaphysisch gesehen – an sich die Klassenbewegung beschleunigen und/oder lenken sollten. Es handelt sich vielmehr um eine Arbeitsmethode, die in der Praxis konkretisiert werden muss, sowohl innerhalb unserer kämpferischen Gemeinschaft als auch gegenüber der Welt, in der wir handeln müssen, um „die Klasse vor sich selbst zu offenbaren“. Die Praxis des organischen Zentralismus kann nur verwirklicht werden, wenn wir uns von den Formalismen und der theoretischen Sichtweise des starren Gegensatzes zwischen historischer und formaler Partei befreien: das heißt, indem wir aktiv an der Arbeit des revolutionären Organs, an der revolutionären Vorbereitung teilnehmen. Durch diese Arbeit, auch unter ungünstigen Bedingungen, findet eine natürliche Auslese der Genossinnen und Genossen statt, die am besten geeignet sind, die kollektiven Aufgaben zu erfüllen. Der Begriff „organisch“ drückt die unveränderliche Feindschaft gegenüber dem demokratischen Prinzip aus, die den revolutionären Marxismus seit jeher kennzeichnet. Gerade der demokratische Zentralismus und andere demokratische Organisierungsformen haben die Degeneration ehemals kommunistischer Organisationen nicht verhindert sondern im Gegenteil befördert, weil wichtige politische (taktische und strategische) Entscheidungen nicht aus dem Programm und den Prinzipien abgeleitet wurden, sondern durch reine Mehrheitsentscheidungen beschlossen wurden. Die organische Arbeitsweise besteht stattdessen darin, dass die unveränderlichen Elemente (Theorie, Ziele, Prinzipien, Organisation) von allen Aktivisten, von der Basis bis zur Spitze, angeeignet, geteilt und verteidigt werden. Der organische Zentralismus ist keine Erfindung der „italienischen“ kommunistischen Linken: Die Notwendigkeit der Partei, ihre Zentralisierung und die Verneinung des demokratischen Prinzips, auch als organisatorisches Mittel, waren immer die Grundlagen der Kommunisten. Darin liegt im Grunde die Bedeutung der heutigen Aktivität und Mitgliedschaft. Diejenigen, die zu uns kommen, müssen bereit sein, die schwierigen Bedingungen der heutigen harten Marginalisierung und der anonymen Arbeit unter immer noch konterrevolutionären Bedingungen zu akzeptieren. Unsere Arbeitsweise besteht nicht in der ständigen Konfrontation gegensätzlicher Thesen, sondern im kollektiven Beitrag zu einem festgelegten Programm. Die interne theoretische Arbeit ist die gemeinsame kollektive Arbeit, die Verteidigung der Kontinuität, und dafür ist es nicht notwendig, dass jeder einzelne Genosse das gesamte Erbe der Partei kennt: Nur die kollektive Arbeit ermöglicht es der Partei, ihren enormen Reichtum an Theorie und Erfahrung zu nutzen. Der Unterschied zwischen Sympathisant und Mitglied ist kein akademischer, sondern liegt im Grad der Hingabe und des Vertrauens in die Arbeit der Partei: nicht in rationalen Faktoren, sondern in der Leidenschaft und der Überzeugung, zur kollektiven und anonymen Arbeit beizutragen. Und unsere Presse fungiert als kollektiver Organisator.

Am 12. Januar schließlich nahmen Genossen und Sympathisanten an der jährlichen Demonstration zum Gedenken an Rosa, Karl und Lenin teil, verteilten ein Flugblatt mit unseren Positionen zum Krieg und bauten einen Informationstisch mit unserer internationalen Presse auf. Die Demonstration war stark auf die „Palästinafrage“ ausgerichtet, und so wurde unser Flugblatt als Parteiorgan von den meisten Demonstranten, die die gleiche kleinbürgerlich-demokratische Agenda vertraten, abgelehnt, jedoch stießen wir auch auf Interesse bei einigen Anwesenden. Und unser Transparent unterschied sich von allen anderen, weil es im Gegensatz zu den vorherrschenden nationalistischen Parolen einfach daran erinnerte, dass „das Proletariat kein Vaterland hat“.

Cagliari

Am 25. Juli fanden in der Stadt eine Demonstration und eine öffentliche Versammlung zum jüngsten Sicherheitsdekret statt. In den Flugblättern, die die Kundgebung vorbereiteten, wurde vor allem auf das Verbrechen des „Terrorismus der Worte“ hingewiesen, d.h. auf die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und der Kritik.

Der Charakter der Demonstration war von Anfang an friedlich und legal: die üblichen Hymnen auf Freiheit und Demokratie, die wie heilige Dogmen und Reliquien in einer Parade entlang der von der Präfektur festgelegten Route getragen wurden, nur 500 Meter vom Treffpunkt auf dem Platz entfernt, wo die Versammlung stattfand, isoliert von den Fußgängerzonen der Einkaufsstraßen. Und um ganz sicher zu gehen, dass die Maschinerie des Kapitals nicht ins Stocken gerät, wurde das Repressionspotenzial des demokratischen Staates in Stellung gebracht, um die 300 Demonstranten ständig zu umgeben.

Etwa 50 Vertreter verschiedener Organisationen hatten Reden angemeldet: Vor allem die territorialen Komitees gegen Energiespekulation der falschen Grünen und andere Umweltorganisationen, Sardigna Natzione, Libertade und andere nationale Unabhängigkeitsorganisationen wie die für die sardische Nation; die Basisgewerkschaften USB und Cobas (vor allem Lehrer und Beamte); Carc; Partito Comunista Italiano und verschiedene Stalinisten; Pazifisten, Komitees gegen die Militarisierung Sardiniens; Movimento pastori, Cagliari SocialForum; Studenten-Kollektive „marxistischer Leninisten“ ...

Wir wussten, dass wir uns an ein überwiegend kleines bürgerliches Publikum wenden würden und dass wir bei vielen und auch bei den Organisatoren selbst auf Ablehnung stoßen könnten. Das hat uns nicht davon abgehalten, das zu sagen, was ein Kommunist sagen muss, wenn es um das Thema der staatlichen Unterdrückung geht, das Thema der Versammlung, auch wenn sie sich mehr auf die Umwelt konzentrierte.

Als ob das letzte Sicherheitsdekret geschrieben worden wäre, um die Proteste der Volkskomitees zum Umweltproblem der Energie- und Ökologiewende in Sardinien mit Ad-hoc-Maßnahmen zu bestrafen... Natürlich gibt es ein Umweltproblem, das der Bodenerosion: Das sagen wir seit Jahrhunderten, es ist eines der unvermeidlichen Produkte des Kapitalismus.

Aber das Thema der Versammlung bleibt die Unterdrückung der Kämpfe durch den Staat, und auch das ist, wie das Umweltproblem, ein Problem, das weit über die Grenzen der Insel hinausgeht: Es ist nicht lokal oder vorübergehend, sondern weitreichend und allgemein, es betrifft eine Produktionsweise und damit die Beziehungen zwischen den sozialen Klassen auf globaler Ebene. Darüber musste gesprochen werden, auch vor den revolutionär gesinnten Jugendlichen, die an der Versammlung teilnahmen.

Die Versammlungsleitung, die von einem Vertreter des USB geleitet wurde, legte fest, dass jeder Redner 3 Minuten sprechen durfte...

Worin besteht nun der Unterschied zum „Terrorismus des Wortes“? Der angebliche Wunsch, gegen die Unterdrückung durch den Staat zu kämpfen, verdient nicht mehr als 3 Minuten Aufmerksamkeit für eine Klassenanalyse mit Handlungsempfehlungen?

Die hartnäckige Unterbrechung unserer Rede, deren vollständige Ausführung einige Minuten länger gedauert hätte als die vorgesehenen 3 Minuten, hat uns in der Richtigkeit unserer Aussagen bestärkt!

Da die vor uns gehaltenen Reden, wie leicht vorhersehbar, Appelle an die Freiheit, an die Demokratie, an die sardische Nation, an den „Staat des Volkes und des Vertreters aller“ enthielten, haben wir uns darauf beschränkt, daran zu erinnern, dass die wirklichen Kämpfe in Italien vom eingewanderten Proletariat geführt wurden, das ohne Vorbehalte die schärfsten Repressionen erdulden musste. Und dass es vor allem der Klassenkampf, die wirklichen Streiks und die Streikposten sind, vor denen sich die Bourgeoisie fürchtet, und in diese Wahrheit und historische Tendenz, die immer wieder bestätigt wird, fügt sich auch das jüngste Sicherheitsdekret ein. Die Kritik an den transzendenten Prinzipien der Demokratie, der Freiheit und des Staates, auf die sich die Versammlung in religiöser und verwirrender Weise bezog, war daher sehr unkonkret.

Unsere Kritik an der Freiheit und am bürgerlichen Staat war es, die die Versammlungsleitung am meisten ärgerte, die ständig versuchte, uns das Mikrofon wegzunehmen.

Auch das war eine Möglichkeit, die wir erwartet hatten und auf die wir vorbereitet waren, zumindest das Mikrofon in die Hand zu nehmen, um eine Lösung für die Unterdrückung durch den Staat vorzuschlagen, denn niemand in der Versammlung hatte eine Lösung für das Problem vorgeschlagen, das das Thema der Versammlung selbst war: die Gewalt der Bourgeoisie, ihr Angriff auf die Kämpfe des Proletariats.

Unter den Rufen „Schluss! Schluss! Zeit! Zeit!“ des Präsidenten beendeten wir die Versammlung, indem wir das Mikrofon festhielten und uns daran erinnerten:

„Wer heute, angesichts der fortschreitenden Verschärfung der Repression, die Rückkehr zur Legalität und zur Demokratie fordert, wer von einem guten, neutralen Staat als Ausdruck des Volkswillens träumt, ist, ob er will oder nicht, ein Verteidiger des bestehenden Systems, das, anstatt sich zu bemühen, das Proletariat zu organisieren und ihm zu helfen, sich gegen die Gewalt zu verteidigen, Ausdruck des Volkswillens ist, sich gegen die Gewalt zu verteidigen, es entwaffnet und hilflos seinen Peinigern überlässt. Wir werden nicht müde, es zu wiederholen: Der Faschismus ist schon da - er nennt sich Demokratie. Unsere Aufgabe ist es, ihn in allen seinen Formen und Kleidern zu bekämpfen.

Wir revolutionäre Kommunistinnen und Kommunisten werden weiterhin an der Seite des Proletariats, insbesondere der kämpfenden Proletarier stehen, wohl wissend, dass dies seinen Preis hat.

Wir werden weiterhin Losungen ausgeben, die zum Kampf aufrufen, zur Solidarität unter den Arbeitern, zur kompromisslosen Verteidigung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen, auch wenn dies bedeutet, sich außerhalb des Gesetzes zu stellen. Wir werden daran arbeiten, alle Schranken, Spaltungen und falschen Gegensätze zu überwinden, die die Bourgeoisie und ihre Diener benutzen, um die Proletarier zu spalten. Wir werden mit Defätismus gegen den bürgerlichen Staat auf das Massaker an den zum Krieg aufgerufenen Proletariern reagieren, das sich bereits vorbereitet.

Man kann nicht auf die Gewalt des bürgerlichen Staates mit der anderen Wange reagieren, sondern mit der Gewalt des organisierten Proletariats gegen die Gewalt seines Staates, um ihn schließlich zu Fall zu bringen, denn nur dann kann aus seinen Trümmern die kommunistische Gesellschaft der Zukunft entstehen.

Die einzige Möglichkeit für eine Gesellschaft ohne Klassen, ohne Staat, ohne Gewalt, ohne Krieg und Ausbeutung, in harmonischer und endlich nachhaltiger Beziehung zur natürlichen Umwelt.

Unsere Worte können ins Leere gehen: Aber wir Kommunisten haben trotzdem die Pflicht zu sagen, was wir sagten, klar und deutlich zu sprechen. Und in der Tat haben viele, vor allem junge Menschen, zugehört, haben es geschätzt und sind dann zu uns gekommen, um uns das zu sagen.

Der Versammlungsleiter, der ständig versuchte, uns das Mikrofon wegzunehmen, schien sich am Ende unseres Vortrags zu entspannen, als er sich zu seinen Nachbarn umdrehte und lächelnd, weil er glaubte, nicht gehört worden zu sein, sagte: „Ich bin Stalinist, aber es ist mir nicht gelungen, sie aufzuhalten.“ Daraufhin riefen wir ihm zu: „Man sieht, dass du Stalinist bist!“

Gerade im Kampf gegen den Opportunismus gewinnen wir Glaubwürdigkeit unter den kämpferischen Proletariern und unter den echten Revolutionären. Die anwesenden Jugendlichen erhielten ein konkretes Beispiel für ihre Demokratie, für ihren Kampf gegen den „Terrorismus des Wortes“.

Benevento

Die Gewerkschaft SPI-CGIL von Benevento mobilisierte die Rentner zur Vorbereitung der regionalen Demonstration in Neapel am 25. Oktober mit einer Versammlung zum Thema: „Gesundheitsnotstand, Nationales Gesundheitssystem“. An der Versammlung nahm ein Mitglied teil, das den Kapitalismus und seine Politiker scharf kritisierte, die die Haupt- und Alleinverantwortlichen für alle „Notfälle“ sind, die unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen betreffen. Das Thema war sehr wichtig: mehr als 40 Rentner nahmen an der Versammlung teil und belebten die Debatte mit ihren Beiträgen. Die gleiche Kritik wurde auf dem Flugblatt geäußert, das das lokale Komitee für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen anschließend bei der Demonstration in Neapel auf der Piazza del Gesù zusammen mit zahlreichen Exemplaren unserer Zeitung verteilte. Welches Urteil können wir über diese Demonstration und den Geist, in dem die Rentner daran teilgenommen haben, fällen?

Das Flugblatt wurde sehr positiv aufgenommen: während und nach der Kundgebung wurde kein einziges Flugblatt auf den Boden geworfen, viele fragten weiter danach, es wurde mit großer Aufmerksamkeit und mit deutlichen Zeichen der Zustimmung gelesen und schließlich sorgfältig gefaltet und aufbewahrt. Es freut uns die Vorstellung, dass sie in ihren jeweiligen Kreisen diese Positionen diskutieren werden, die sie in Neapel gehört haben.

Ja, wir sind überzeugt: Das „Erwachen des Gewissens“ wird das Ergebnis dieser Kämpfe sein, wie es im Titel des Editorials der letzten Ausgabe unserer Zeitung hieß! Am 29.11. fand in Neapel im Rahmen des Tages des Generalstreiks und des Kampfes eine Demonstration statt, die von der CGIL und der UIL einberufen und organisiert wurde.

Etwa 25.000 Arbeiter aus allen Provinzen Kampaniens nahmen daran teil. Es waren Arbeiter, Entlassene, Arbeitslose, prekär Beschäftigte aus verschiedenen Sektoren, Jugendliche. Die Stimmung war kämpferisch. Die Slogans waren begrenzt, wie die Gewerkschaftsdirektive, „gegen die Regierung und das Finanzmanöver“, aber es war ein Kampfeswille zu spüren, der sicherlich durch die Verschlechterung der Lebensbedingungen, durch die Kriege in der Nähe und vor allem durch die weit verbreitete Wahrnehmung, dass die Zukunft nichts Gutes verheißt, bestimmt war. Andeutungen einer entschiedeneren Kapitalismuskritik kamen hier und da von den Prekären, den Arbeitslosen und auch von denen, die vor allem von der verbreiteten Wahrnehmung, dass die Zukunft nichts Gutes verheißt, betroffen waren.

Hinweise auf eine entschiedenere Kritik am Kapitalismus gab es hier und da bei den Prekären, den Arbeitslosen und sogar bei den Jugendlichen. Alles deutet darauf hin, dass die Zeit des Kampfes begonnen hat und dass es der „Feuerwehr“ nicht gelingen wird, das unter der Asche schwelende Feuer zu löschen.


Für viele war es seltsam, dass bei einer Demonstration in Neapel keine Trillerpfeifen zu hören waren, keine Trommeln rollten, keine Tänze und Sprünge, kein Karneval der Gewerkschaften, sondern nur kritische Worte, die wie Steine auf die Regierung und die Arbeitgeber geworfen wurden, unterbrochen von bedeutungsvollen Schweigepausen.

Wir intervenierten, indem wir das zentral verfasste Flugblatt verteilten, das mit besonderem Interesse und Zustimmung aufgenommen wurde und mehrfach Gegenstand positiver Diskussionen war, insbesondere unter Prekären, Arbeitslosen und Jugendlichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine Illusionen gab, aber auch keine Resignation. Der Topf kocht also!