Veranstaltung:
am 28. Mai 2026 um 19.30 Uhr im RAUM, Rungestr. 20, 10179 Berlin
Die Verfälschungen und „feindlichen Übernahmen“, die der Marxismus in den letzten mehr als 100 Jahren erfahren musste, fanden in der Parteifrage ihren konzentrierten Ausdruck. In den opportunistischen Wellen (von Bernstein zu Stalin) wurde die proletarische Klassenpartei zu einem bürgerlichen Politikinstrument und prinzipienlosen Machtapparat. Die revolutionären Prinzipien wurden in klassenversöhnlerischem Pragmatismus inklusive Personenkult, Kadavergehorsam und opportunistischer Wahlkampfpraxis aufgelöst. Es ist dieses Zerrbild einer „Arbeiterpartei", das die konterrevolutionäre Phase tief ins Bewusstsein eingebrannt hat und das sowohl die Renaissance der „neuen“ K-Gruppen als auch deren „antiautoritäres“ Gegenstück prägt.
Demgegenüber steht die Kontinuität des proletarischen Klassenkampfes, der im Marxismus seinen theoretischen Ausdruck gefunden und auf dieser Grundlage seine Kampferfahrungen zu programmatischen Prinzipien verdichtet hat. Diese historische Partei des Proletariats ist keine extravagante Traditionslinie, sondern stellt das theoretische Programm, die unveränderlichen Prinzipien und praktischen Richtlinien dar. Sie ist „ die Partei im großen historischen Sinn", von der Marx schon 1860 anlässlich der Auflösung des Bundes der Kommunisten (den er als „Partei im ganz ephemeren Sinne“ bezeichnete) sprach (MEW 30, S.488ff). Sie ist der rote Faden, den es zu verteidigen gilt und der die einzige Grundlage einer kohärenten kommunistischen Politik darstellt.
Im Gegensatz zu dieser historischen Perspektive stehen die Unmittelbarkeitsapostel, die sich vor allem durch ein verkürztes Verständnis der umfassenden bürgerlichen Herrschaft auszeichnen, die Marx meisterhaft aus der Warenform abgeleitet hat. Eine Herrschaft, die die ganze Gesellschaft in einem Netz von Kauf und Verkauf gefangen hält, das wiederum durch die unveränderlichen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktion und Reproduktion immer wieder zerrissen wird. Dieses dialektische Verständnis lässt keinen Platz für einen „Arbeiterismus", der die Arbeiter in ihrer warenförmigen Existenz verklärt, anstatt die Formierung der Arbeiterklasse im Kampf zu verstehen. Es lässt auch keinen Platz für einen Immediatismus, der nur die begrenzte – und in der konterrevolutionären Phase besonders elende – unmittelbare Realität zum Ausgangspunkt des Handelns nimmt.
Die Krisen- und Kriegsentwicklung des kapitalistischen Systems fordert das weltweite Proletariat heraus, dessen antagonistische Formierung auf der ganzen historischen Dimension seines Kampfes fußen muss. Nur durch das Verständnis der historischen Dimension und ihrer materiellen Determiniertheit sind wir in der Lage, diesen antagonistischen Formierungsprozess zu antizipieren, der sich wiederum aus den unmittelbaren Verhältnissen entwickelt. Hier liegt auch der Unterschied zwischen der kommunistischen Organisierung auf der Grundlage der historischen Partei und der gewerkschaftlichen Organisierung auf der Grundlage der konkret maximal möglichen breiten Einheit der Arbeiter für die „Schule des Klassenkampfes". Diese beiden Organisationsformen der Arbeiterklasse sind nicht getrennt zu betrachten. Die Kommunisten „stellen keine besonderen Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen", schrieben Marx und Engels 1848 im Kommunistischen Manifest, sondern sie vertreten „in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung" (MEW 4, S 474).
Marx und Engels haben im Kommunistischen Manifest nicht nur die „Organisation des Proletariats zur Klasse, und damit zur politischen Partei" beschrieben ( MEW 4, S. 471), sondern auch eine aktive Rolle in der Formierung dieser Partei gespielt, vom Bund der Kommunisten bis zur Internationalen Arbeiter-Assoziation, für dessen Statut sie auf dem Kongress 1872 herausstrichen: „In seinem Kampf gegen die kollektive Macht der besitzenden Klasse kann das Proletariat nur dann als Klasse handeln, wenn es sich selbst als besondere politische Partei im Gegensatz zu allen alten, von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien konstituiert. Diese Konstituierung des Proletariats als politische Partei ist unerlässlich, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres höchsten Ziels, der Aufhebung der Klassen, zu sichern.“ (MEW 18, S.149)
Die wellenförmige Entwicklung der proletarischen Partei von ihren Anfängen 1848, über den Zerfall der 1.Internationale, den Zusammenbruch der revisionistisch zerfressenen 2.Internationale am Beginn des Ersten Weltkrieges und die opportunistische Degenerierung der 3.Internationale Mitte der 1920er Jahre im Gefolge des Niedergangs der russischen Revolution, zeigt die Notwendigkeit des permanenten Kampfes gegen die opportunistische Entstellung des kommunistischen Programms. Einen Kampf, den Lenin erfolgreich gegen den Revisionismus Bernsteins und den Opportunismus Kautskys und die italienische kommunistische Linke seit Mitte der 1920er Jahre gegen den Stalinismus geführt hat. Im Feuer dieses Kampfes standen die immer gleichen Abweichungen:
- Das Ersetzen der revolutionären durch die evolutionäre Perspektive.
- Das Ersetzen der allein durch das revolutionäre Programm bestimmten proletarischen Klassenpartei durch eine soziologisch verstandene „Arbeiterpartei".
- Das Ersetzen der historisch determinierten sozialen Dynamik des Klassenkampfes durch Demokratismus.
Heute besteht die formelle Partei des Proletariats nur aus einem Kern, der in unmittelbarer organisatorischer Kontinuität seit fast einem Jahrhundert den invarianten Marxismus verteidigt. Ein Kern, der daran arbeitet, dass es Morgen wieder eine kompakte und starke Partei gibt. Eine Partei die weder spontan, noch aus einem demokratischen Verhandlungsprozess ihrer Grundlagen entstehen kann, sondern – wir wiederholen es – ausschließlich auf der Grundlage der historischen Partei, die ihren adäquaten Ausdruck in der formellen Partei finden muss.
Folgende Eckpunkte sind das Ergebnis der prinzipienfesten Verteidigung und Anwendung des Marxismus durch die IKP:
- Es gibt heute nur einen weltweiten Klassenkampf und dieser erfordert nur eine Kommunistische Weltpartei.
- Jedes Bündnis mit der Bourgeoisie und folglich auch jeder „nationale" und „demokratische“ Kampf sind abzulehnen.
- Nicht das demokratische Prinzip, sondern das kommunistische Programm ist die Grundlage unserer zentralisierten und kollektiven organischen Parteiarbeit.