Unter dem Druck der weltweiten Krise der kapitalistischen Produktionsweise wird die Lage im Nahen Osten von Tag zu Tag kritischer. Der Krieg zwischen Israel/USA und Iran ist, wie auch immer er sich in naher Zukunft entwickeln mag, gleichzeitig ein Symptom und ein Faktor, der diese Entwicklung beschleunigt und verschärft.
Der Staat Israel erfüllt voll und ganz die Funktion und Rolle, die ihm unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von den siegreichen imperialistischen Mächten (allen voran die USA und die UdSSR) zugewiesen wurde: die eines bewaffneten Gendarmen, bezahlt und unterstützt von den Interessen des Weltkapitalismus, im Herzen einer Region, die reich an Öl, Gas und anderen wertvollen Rohstoffen ist und ein Knotenpunkt des internationalen Handels darstellt. Die lokale Bourgeoisie (arabisch und nicht-arabisch), ob säkular oder bigott, korrupt und reaktionär, feige gegenüber den stärkeren Imperialismen, hat ihrerseits nichts anderes getan und tut nichts anderes, als sich das schwarze Gold fest zu sichern und dem Geruch des Geldes zu folgen: Dollar, Rubel, Euro oder Yen, ganz egal.
Vor dem Hintergrund der Weltkrise legen all diese Faktoren nur den Grundstein für einen erweiterten interimperialistischen Konflikt, der letztendlich in einen dritten Weltkrieg münden wird. Die Proletarier sind bereits (und werden es immer mehr sein) die Opfer dieser blutigen Szenarien, sowohl gegenwärtig als auch in Zukunft. Die für diese imperialistische Phase typische Überproduktion von Waren und Kapital ist in Wirklichkeit auch eine Überproduktion von Menschen: Opfer, die auf dem Altar der um jeden Preis zu bewahrenden kapitalistischen Ordnung geopfert werden. Das wissen die Proletarier und die sich proletarisierenden Massen in Gaza, im Westjordanland, im Libanon, in Syrien und im Iran aus schrecklicher eigener Erfahrung nur zu gut, denn sie sind von allen verlassen, von allen verraten, von allen gequält und darüber hinaus in der berüchtigten Falle des antihistorischen Nationalismus gefangen.
Und die Proletarier der mächtigsten Imperialismen, der euro-asiatisch-amerikanischen? Welche Hilfe können sie heute ihren Brüdern leisten, nach fast einem Jahrhundert der demokratischen oder faschistischen Konterrevolution, die sie in der Illusion gelähmt hat, dass dies schließlich „die beste und reformierbarste aller möglichen Welten” sei? In imperialistischen Kriegen, so lehrte uns Lenin, gibt es keine „Angreifer” und „Angegriffenen”: Alle sind Angreifer, und es gibt nur einen Angegriffenen – das Weltproletariat.
Der Weg ist lang und steil, aber es gibt keinen anderen Weg. Die materiellen Tatsachen selbst werden dafür sorgen, dass die bisher kompakte Mauer, die die Proletarier der wichtigsten imperialistischen Mächte von den anderen Kontingenten eines überall zahlenmäßig wachsenden Proletariats getrennt hat, zerbröckelt. Das reicht nicht aus: Es muss wieder das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Übergangs zu einer höheren Produktionsweise und damit für den schwierigen und langen Weg dorthin zurückkehren. Das ist die vorrangige Aufgabe der Avantgarde des Kampfes, der Revolutionäre, die sich nicht von den tausend Illusionen irreführen lassen, die in Jahrzehnten reformistischer und demokratischer, antiproletarischer und konterrevolutionärer Praxis gesät wurden.
Im Zentrum dieser enormen Aufgabe steht die Forderung nach revolutionärem Defätismus. Nicht als Slogan, sondern als Kampfpraxis, die von der Feststellung ausgehen muss, dass tatsächlich nur das Proletariat angegriffen wird: Es gibt keine „Fronten“, auf denen man sich positionieren kann, es gibt keine „Hauptfeinde“ oder „privilegierten Freunde“. Man muss gegen alle Bourgeoisien und ihre Staaten kämpfen, und in erster Linie gegen die eigene Bourgeoisie und ihren Staat.
Das bedeutet:
- Sich überall für einen radikalen Klassenkampf gegen den Staat des Kapitals, seine Institutionen und alle seine Parteien zu organisieren!
- Einen echten Kampf zur Verteidigung der Lebens- und Arbeitsbedingungen entwickeln, um die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Bourgeoisie hart zu treffen.
- Die Ablehnung von wirtschaftlichen und sozialen Opfern im Namen der "Nationalökonomie".
- Der offene Bruch mit dem “sozialen Frieden” der Herrschenden und eine entschiedene Rückkehr zu den Methoden und Zielen des Klassenkampfes. Das ist die einzige mögliche internationalistische Solidarität sowohl in den Metropolen wie in den imperialistischen Peripherien.
- Die Ablehnung jeglicher komplizenhafter Parteinahme (nationalistisch, religiös, patriotisch, söldnerisch, humanitär, pseudosozialistisch, pazifistisch) für einen der Staaten oder Fronten und Bündnisse von Staaten, die an Kriegen beteiligt sind.
- Wirtschaftliche und soziale Streikaktionen, die zu echten Generalstreiks führen, um das nationale Leben lahm zu legen und den Weg für politische Streiks zu ebnen, um jegliche Mobilisierung und Kriegspropaganda zu bremsen, zu boykottieren und zu verhindern.
Nur wenn sich die kämpfenden Avantgarden unserer Klasse auf Grundlage dieser Inhalte organisieren (und nicht nur auf den notwendigen, aber begrenzten gewerkschaftlichen, ökologischen, sozialen und sonstigen Gebieten), können wir uns auf Aktionen des offenen Antimilitarismus und des antipatriotischen Defätismus vorbereiten:
Das heißt, sich vom eigenen Staat und dessen Verbündeten loszusagen, damit dieser besiegt werden kann, in organisierter Weise den militärischen Hierarchien den Gehorsam zu verweigern, überzulaufen und sich mit unseren Klassenbrüdern zu verbrüdern (auch sie sind in ihren eigenen "Vaterländern" gefangen), die Waffen und Waffensysteme nicht abzugeben, um sich zuerst zu verteidigen und dann aus den Tentakeln der bürgerlichen Institutionen, aller bürgerlichen Staaten, zu befreien, um den Krieg zwischen den Staaten in einen Bürgerkrieg für die internationale kommunistische proletarische Revolution zu verwandeln.
Es sind die Tatsachen der gegenwärtigen kapitalistischen Realität selbst, die auf tragische Weise die Dringlichkeit dieser Arbeit und die Notwendigkeit dieser Perspektive deutlich machen.