Sonntag, 29 November 2020

Was unsere Partei kennzeichnet

Jede Ausgabe unserer Zeitung hat einen Kasten unter dem Titel, der sagt:

WAS UNSERE PARTEI KENNZEICHNET: Die politische Kontinuität von Marx zu Lenin bis zur Gründung der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Partei Italiens (Livorno 1921); der Kampf der Kommunistischen Linken gegen die Degeneration der Kommunistischen Internationale, gegen die Theorie des „Sozialismus in einem Land“ und die stalinistische Konterrevolution; die Ablehnung von Volksfronten und des bürgerlichen Widerstandes gegen den Faschismus; die schwierige Arbeit der Wiederherstellung der revolutionären Theorie und Organisation in Verbindung mit der Arbeiterklasse, gegen jede personenbezogene und parlamentarische Politik.

Die knappe Formulierung markiert einen Weg, sie erhebt keinen Anspruch darauf, diesen zu erläutern. Aber ein charakteristisches Merkmal unserer Bewegung springt sofort ins Auge: für uns gibt es, im Gegensatz zu den unzähligen „Aktualisierern“ des Marxismus, eine kontinuierliche Linie, die unverändert und unveränderlich ist, und die die Kommunistische Partei genau deshalb definiert, weil sie die Höhen und Tiefen, die Rückschläge und die Fortschritte, die wenigen, aber glorreichen Siege und die vielen verheerenden Niederlagen der Arbeiter_innenklasse auf dem schwierigen Weg ihres Emanzipationskampfes überragt und übersteigt.

Es ist in der Tat nur dank der ununterbrochenen Beharrlichkeit dieser Linie, dass das Proletariat als Klasse existiert: sie spiegelt tatsächlich nicht seine vorübergehende und oft widersprüchliche Stellung zu diesem oder jenem Punkt seiner Reise wider, in Raum und Zeit, sondern die Richtung, in der es sich notwendigerweise vom Zustand der ausgebeuteten und untergeordneten Klasse zum Zustand der herrschenden Klasse bewegt, und von hier – in allen Ländern – zur Abschaffung jeder Klasse, zum Kommunismus. Die marxistische Lehre kennt die notwendigen Übergänge und die unentbehrlichen Mittel sowie das endgültige Ziel dieses Weges, für das die kapitalistische Produktionsweise selbst die materiellen Bedingungen schafft, das aber nicht vom Himmel fällt und für das bis zum Ende gekämpft werden muss.

Deshalb erinnert Lenin, der eine berühmte Passage von Marx wiedergibt, daran, dass, wer die Anerkennung des Klassenkampfes bis zur Anerkennung der Diktatur des Proletariats – als notwendiges Produkt und als Übergangsspunkt zur Abschaffung aller Klassen und zu einer klassenlosen Gesellschaft – ablehnt, kein Marxist ist.

Sich darauf zu beschränken, den Klassenkampf und den Interessensgegensatz zwischen Kapital und Arbeit anzuerkennen, bedeutet, die brutale Tatsache des Zustands des Proletariats in der bürgerlichen Gesellschaft zu registrieren, aber das auszuschließen, wozu das Proletariat deterministisch von der Geschichte gezwungen wird, um sich von der Ausbeutung, zu der die kapitalistischen Produktionsverhältnissen es zwingt, zu befreien: das heißt, die Waffe der gewaltsamen Zerstörung der bürgerlichen Staatsmacht – die über dieses System von Verhältnissen herrscht und es verteidigt – zu werden, und ihm die historische Aufgabe zu verweigern, eine eigene Diktatur zu errichten, die „politische Übergangsphase“ (Marx) im Prozess des „revolutionären Übergangs der kapitalistischen Gesellschaft in die kommunistische Gesellschaft“. Es bedeutet, die Unterdrückungsbedingung zu akzeptieren, in der das Proletariat nicht aufhört – in der bürgerlichen Gesellschaft – zu leben, auch wenn es zur Verteidigung seiner unmittelbaren Interessen gegen das Joch des Kapitals kämpft, und ihm die historische Aufgabe zu verweigern, sich selbst und gleichzeitig die Menschheit zu emanzipieren, eine Aufgabe die es alleine zu einer Klasse macht, zum „Geburtshelfer einer neuen Gesellschaft“.

Diese Linie, die die Vergangenheit und Gegenwart der Arbeiter_innenklasse mit ihrer Zukunft verbindet, ist nichts anderes als die Theorie, das Programm, die Prinzipien des revolutionären Kommunismus, und sie bleibt über den wechselnden Ereignissen des Klassenkampfes unverändert, so weit sie in einer Partei verkörpert ist, die sie ohne Vorbehalt annimmt, in einer Organisation, die sie verteidigt, für sie eintritt und sie in die Tat umsetzt. Deshalb schreibt Marx im Manifest der Kommunistischen Partei, dass die Kommunist_innen „für die Erreichung der unmittelbar vorliegenden Zwecke und Interessen der Arbeiterklasse [kämpfen], aber sie vertreten in der gegenwärtigen Bewegung zugleich die Zukunft der Bewegung“; und da das Proletariat „kein Vaterland hat“ und als Klasse Ziele verfolgt, die über jeden Horizont von Berufsgruppe, Ort, Firma, Abteilung usw. hinausgehen, fügt er hinzu: „die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, dass sie einerseits in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andererseits dadurch, dass sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten.“

Es ist diese Gesamtheit von Postulaten, die die Kommunist_innen auszeichnen: es ist dies, was uns verbietet, diejenigen als Kommunist_innen zu betrachten, die die Internationalität sowohl des Ziels, auf das die proletarische Bewegung abzielt, als auch des Kampfes, um es zu erreichen, verweigern; die die Identität dieses Ziels und dieses Kampfes mit den Interessen der Gesamtbewegung und ihrer Zukunft leugnen; die die Notwendigkeit einer gewaltsamen Revolution und einer proletarischen Diktatur als einen notwendigen Schritt zum Sozialismus ablehnen; die die Unentbehrlichkeit der Partei – die mit der einzigartigen Wissenschaft, dem Marxismus, bewaffnet ist – leugnen, als Organ dieses gewaltigen Kampfes. Kein Glied in dieser Kette kann gebrochen werden, ohne dass die Kette selbst gebrochen wird, und ohne diesen Kampf fällt das Proletariat in die bedingungslose und unterwürfige Akzeptierung seiner ewigen Bedingung als ausgebeutete Klasse.

Das ist die Lehre, die vor anderthalb Jahrhunderten aus einem einzigen Block entstanden ist, und von Marx und Engels in Texten, zu denen es nichts hinzuzufügen oder zu „erneuern“ gibt, schriftlich niedergelegt wurde, die in ihrer Vollständigkeit von Lenin gegen den sozialdemokratischen Verrat wiederhergestellt wurde, gegen jede Kapitulation gegenüber der „Gegenwart“ und gegen jeden Verzicht auf die „Zukunft“ der proletarischen Bewegung, gegen jede Unterordnung ihrer Ziele und ihrer Gesamtinteressen unter angebliche unmittelbare und nationale Ziele und Interessen, gegen jeden Verzicht auf die Prinzipien der revolutionären Eroberung der Macht und ihrer diktatorischen Ausübung zugunsten der angeblich sichereren und weniger problematischen Wege des legalen, demokratischen und parlamentarischen Gradualismus.

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Der Kampf, diese Linie nicht nur gegen den materiellen, politischen und ideologischen Druck der bürgerlichen Gesellschaft aufrechtzuerhalten, sondern ihre wesentlichen Merkmale durch die schrecklichen, aber notwendigen Bestätigungen der Geschichte immer deutlicher zu definieren, und die kämpferischen Avantgarden der Arbeiter_innenklasse an diesem roten Faden zu organisieren, um ihn wieder nach dem Bruch von Neuem zu knoten, um zum Angriff auf die Hochburgen des kapitalistischen Staates überzugehen, dieser Kampf war untrennbar theoretisch, programmatisch, politisch, taktisch, organisatorisch, da die Kommunist_innen nicht die Apostel eines neuen „Glaubens“ oder die Asketen sind, die auf den Messias warten, sondern die Kämpfer eines gigantischen sozialen Krieges.

Es war der Kampf von Marx und Engels innerhalb der Ersten Internationale um das Virus des Proudhonismus zu zerstören, der den Kampf um Forderungen, die Streiks und die ökonomische Organisation des Proletariats ablehnte; das Virus des Bakunismus, der die Partei und die Diktatur ablehnt, die zentral im Namen und im Interesse der Klasse ausgeübt wird; das Virus des „parlamentarischen Kretinismus“, das sich subtil aus dem umliegenden sozialen Ambiente in die Reihen des Proletariats eingeschlichen hat. Es war Lenins Kampf in Russland gegen Populismus, Ökonomismus, Legalismus, Menschewismus und – auf internationaler Ebene – zuerst gegen Bernsteins Revisionismus und dann gegen die Kapitulation vor dem imperialistischen Krieg; der Kampf nicht nur für die Ablehnung von Kriegskrediten und den sozialen Waffenstillstand während des Konflikts, sondern auch für den revolutionären Defätismus und die Umwandlung des imperialistischen Krieges in einen Bürgerkrieg. Es war der Kampf dafür, alles Zögern, das Warten und die legalistische Trägheit, das Schwanken, das vom Befolgen der „Regeln des demokratischen Spiels“ inspiriert war, zu überwinden, um die Macht im blendenden Licht des Oktobers 1917 diktatorisch zu erobern, und gleichzeitig den Grundstein für die endlich wiederhergestellte Kommunistische Internationale zu legen.

„Die Kommunistische Internationale will mit allen Mitteln, auch mit Waffen in der Hand, für die Niederschlagung der internationalen Bourgeoisie und die Schaffung der Internationalen Sowjetrepublik als Übergangsphase zur völligen Unterdrückung des Staates kämpfen“, proklamierten feierlich die in Moskau versammelten Kommunist_innen aller Länder im Juli 1920, und auf diese Weise bekräftigten sie erneut die Linie, die „von Marx zu Lenin geht“. „Die Kommunistische Internationale hält die Diktatur des Proletariats für das einzige Mittel, das die Möglichkeit gibt, die Menschheit von den Greueln des Kapitalismus zu befreien… Der imperialistische Krieg hat die Geschicke der Proletarier des einen Landes mit den Geschicken der Proletarier aller anderen Länder besonders eng verknüpft. Der imperialistische Krieg hat aufs neue bestätigt, was in den Generalstatuten der 1. Internationale gesagt war: die Emanzipation der Arbeiter ist weder ein lokales, noch ein nationales, sondern ein internationales Problem... die Kommunistische Internationale weiß: um den Sieg schneller zu erringen, muß die für die Vernichtung des Kapitalismus und für die Schaffung des Kommunismus kämpfende Arbeiterassoziation eine straff zentralisierte Organisation besitzen. Die Kommunistische Internationale muss wirklich und in der Tat eine einheitliche kommunistische Partei der ganzen Welt darstellen. Die Parteien, die in jedem Lande arbeiten, erscheinen nur als ihre einzelnen Sektionen. Der Organisationsapparat der Kommunistischen Internationale muss den Arbeitern jedes Landes die Möglichkeit gewährleisten, in jedem gegebenen Moment die größtmögliche Hilfe von den organisierten Proletariern der übrigen Länder zu erhalten.“.

Das ist die Linie, die von Marx zu Lenin und zur Bildung der Kommunistischen Internationale geht, und sie verweigert den Liquidatoren der proletarischen Diktatur, die der einzige Weg zum Sozialismus ist, und den Predigern der tausend nationalen Wege zur Emanzipation der Arbeiter_innenklasse jedes Bürgerrecht.


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Auf dieser Linie wurde 1921 die Kommunistische Partei von Italien gegründet, deren Programm das theoretische und taktische Erbe des Kommunismus zusammenfasst.

„1. In der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaftsordnung entwickelt sich ein ständig wachsender Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, der Ursache des Interessengegensatzes und des Klassenkampfes zwischen Proletariat und herrschender Bourgeoisie ist.

2. Die gegenwärtigen Produktionsverhältnisse werden durch die bürgerliche Staatsmacht geschützt und verteidigt, die (auf dem demokratischen Vertretungssystem basierend) das Verteidigungsorgan der kapitalistischen Klasseninteressen ist.

3. Das Proletariat kann das System der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, das Quelle seiner Ausbeutung ist, ohne den gewaltsamen Sturz der bürgerlichen Staatsmacht weder brechen noch verändern.

4. Das unentbehrliche Organ des revolutionären Kampfs des Proletariats ist die politische Klassenpartei. Die Kommunistische Partei, die den fortgeschrittensten und klassenbewusstesten Teil des Proletariats vereinigt, bündelt die Anstrengungen der Arbeitermassen, indem sie die Kämpfe um Partikularinteressen und unmittelbare Erfolge auf den Boden des revolutionären Befreiungskampfes des Proletariats lenkt. Die Partei hat die Aufgabe, in den Massen das revolutionäre Bewusstsein zu verbreiten, die materiellen Aktionsmittel zu organisieren und das Proletariat während des gesamten Kampfverlaufs zu leiten.

5. Der Weltkrieg, durch die inneren, unüberwindlichen Widersprüche des kapitalistischen Systems – Grundlage des modernen Imperialismus – ausgelöst, hat die Verfallskrise des Kapitalismus eingeleitet, eine Krise, die den Klassenkampf in Richtung des gewaltsamen Zusammenstoßes zwischen den Arbeitermassen und der bürgerlichen Staatsmacht treibt.

6. Zur herrschenden Klasse wird das Proletariat nach dem Sturz der bürgerlichen Staatsmacht nur durch die Zertrümmerung des bürgerlichen Staatsapparates und die Errichtung seiner eigenen Diktatur, d.h. indem es die Vertretungskörperschaften des Staates allein auf die produktiven Klassen stützt und der Bourgeoisie jedes politische Recht abstreitet.

7. Die politische Vertretungsform im proletarischen Staat ist das System der Arbeiter- und Bauernräte, das sich bereits in der russischen Revolution – dem Beginn der proletarischen Weltrevolution und der ersten dauerhaften Verwirklichung der proletarischen Diktatur – herausbildete.

8. Die notwendige Verteidigung des proletarischen Staates gegen alle konterrevolutionären Versuche kann nur sichergestellt werden, wenn der Bourgeoisie und den der proletarischen Diktatur feindlichen Parteien alle politischen Agitations- und Propagandamittel entzogen werden, und wenn das Proletariat militärisch organisiert wird, um die inneren und äußeren Angriffe abwehren zu können.

9. Nur der proletarische Staat kann planmäßig in die gesellschaftlichen ökonomischen Verhältnisse eingreifen, und zwar durch Maßnahmen, die geeignet sind, das kapitalistische System sukzessive durch die kollektive Verwaltung der Produktion und Distribution zu ersetzen.

10. Infolge dieser wirtschaftlichen Umwandlungen und den sich daraus ergebenden Veränderungen in der gesamten Bandbreite des gesellschaftlichen Lebens – was die Aufhebung der sozialen Klassen bereits voraussetzt – wird nach und nach auch die Notwendigkeit des politischen Staates wegfallen, dessen Funktion sich fortschreitend auf die rationelle Verwaltung der menschlichen Tätigkeiten reduzieren wird.”

Die bolschewistische Macht in Russland, Bollwerk und fortgeschrittene Abteilung der proletarischen Weltrevolution, beruhte jedoch auf einer erschreckend rückständigen und größtenteils vorkapitalistischen wirtschaftlichen Basis. Die kommunistische Strategie bestand daher darin, in allen Ländern das unverzichtbare Instrument der proletarischen Revolution, die Klassenpartei, vorzubereiten, und darin die entscheidende Avantgarde des Proletariats zu versammeln, nachdem es in der ganzen Welt, insbesondere aber in Mitteleuropa und allgemein in den fortgeschrittenen kapitalistischen Gebieten, aus dem weltweiten Blutbad und Chaos der Nachkriegszeit mit einem großartigen Kampfwillen und einem unbezwingbaren Opfergeist hervorgegangen war. Sie wusste, dass nur der Triumph der Revolution in den fortgeschrittenen Ländern und vor allem in Deutschland es dem bolschewistischen Russland ermöglicht hätte, im sicheren und ungeteilten Besitz der politischen Macht wirtschaftlich in Richtung Sozialismus voranzukommen, und damit die Phasen des harten Übergangs von einer vorbürgerlichen und insbesondere bäuerlichen Wirtschaft, bis zur äußersten Grenze des Staatskapitalismus zu überspringen.

Diese Parteien, bewaffnet mit der marxistischen Lehre, auf deren Grundlage sie von Lenins Partei wiederhergestellt wurden, verankert in der internationalen Disziplin und in ihrer rigorosen Zentralisierung, hatten ihre Strategie und ihren eigentlichen Existenzgrund aus der Erkenntnis abgeleitet, dass die reformistischen Parteien, die Lenin als „bürgerliche Arbeiterparteien“ bezeichnete – wie die Sozialdemokratie in allen Varianten – längst dazu gezwungen sind, eine unumkehrbare konterrevolutionäre Rolle in der sozialen Dynamik zu spielen, durch die Ziele, die sie sich gesetzt haben, indem sie mit den Grundprinzipien des Marxismus gebrochen haben und somit durch ihre mehr oder weniger direkte Integration in die bürgerlichen Staaten.

Die Tragödie des Weltproletariats in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg war, dass den gigantischen Bemühungen der bolschewistischen Partei, die aus der russischen wirtschaftlichen und sozialen Oberfläche hervorgegangenen bürgerlichen und kleinbürgerlichen Kräfte zu kontrollieren und zu beherrschen, und das revolutionäre Feuer auf die ganze Welt auszudehnen, keine organische und rigorose Bildung kommunistischer Parteien im entscheidenden Gebiet des vollständig kapitalistischen Europas folgte. Die demokratischen, legalistischen und pazifistischen Traditionen lasteten zu stark auf der Arbeiter_innenbewegung, und die Leitung der Dritten Internationale – der unsere Strömung immer am wenigsten die Verantwortung für eine historischen Entwicklung gab, die ihren Ursprung in der faulen bürgerlichen Welt des Westens hatte – war sich nicht immer der Tatsache bewusst, dass die Unnachgiebigkeit, mit der Lenin und seine Partei seit zwanzig Jahren gegen den Opportunismus gekämpft hatten, und die Entschlossenheit, mit der sie die Macht erobert hatten – von der sie nicht nur die offen bürgerlichen Parteien, sondern auch die schlichtenden Arbeiter_innenparteien ausgeschlossen hatten – in den Ländern, in denen die bürgerliche Revolution seit mehr als einem halben Jahrhundert durchgeführt worden war, noch radikaler und konsequenter angewandt werden musste. In den alten sozialistischen Parteien war eine rigorose Auslese dringend notwendig: sie waren zu großzügig in den Aufnahmebedingungen, in der gutmütigen, aber trügerischen Hoffnung, dass die Relikte der Vergangenheit im brennenden Feuer von Petrograd und Moskau ausgemerzt werden könnten. Eine klar definierte Taktik war notwendig, eine Taktik, die die Proletarier in der Frage der Verteidigung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in der bürgerlichen Gesellschaft der marxistischen revolutionären Partei näher bringen würde, um sie nicht nur vom Einfluss des Reformismus zu befreien, sondern auch von der Illusion, dass diejenigen, die die Linie verlassen haben, „die von Marx zu Lenin und zur Kommunistischen Internationale geht“, zur Sache der proletarischen Revolution zurückgebracht werden könnten, und es so der Arbeiter_innenklasse zu erlauben, sich selbst gegen die bürgerliche Konterrevolution in faschistischem Gewand wirksam zu verteidigen und, wenn möglich, zum Gegenangriff überzugehen: stattdessen wurden unklare Parolen ausgegeben, die, gegen jede Absicht der Bolschewiki, genau diese Illusion hinterließen, besonders wenn sie von den alten Vertretern des Reformismus oder sogar des sozialen Chauvinismus übernommen wurden, die sich unter die Flagge der Internationale geschoben hatten: eine „Einheitsfront“, offen für weite, schwankende und sogar widersprüchliche Interpretationen, eine „Arbeiter_innenregierung“, die dann als „Synonym für die proletarische Diktatur“ präsentiert wurde, und als einen anderen und sogar parlamentarischen Weg zur Macht, bis zu einer „Bolschewisierung“, die die Gesichter der Parteien entstellte und drohte, sie in Labour-Parteien zu verwandeln und so Stück für Stück ihren Charakter auszulöschen – der im Ursprung so deutlich war – bis hin zu Bündnissen mit Bauernparteien und Bewegungen in denselben kapitalistischen Ländern und nationalrevolutionären Parteien in den Kolonien – und damit wurde die unglückliche Wiederholung der menschewistischen Geschichte der „Revolution in Etappen“ in China angekündigt.

Auch aufgrund dieser fortschreitenden Lockerung des ursprünglich engmaschigen Netzes in der Organisation und in der Taktik wurde die Internationale, anstatt den Prozess der Reinigung der kommunistischen Parteien vom Einfluss des traditionellen Sozialismus zu kontrollieren und zu lenken, von nur nominell kommunistischen Parteien im Westen bestimmt, mit dem doppelten katastrophalen Ergebnis, dass sich die Weltrevolution von der kurzfristigen Perspektive entfernte, anstatt sich zu nähern, und im gleichen Maße wurden die bürgerlichen sozialen Kräfte, die von innen, aber vor allem von außen auf die bolschewistische Diktatur drückten, stärker und zertrümmerten schließlich das großartige Führungsorgan der Oktoberrevolution und des Bürgerkriegs. Der Stalinismus war nichts anderes als der Ausdruck dieser Umkehrung der Machtverhältnisse zwischen den Klassen in der Welt: er musste die alte Garde massakrieren, um ungestört auf dem Weg der kapitalistischen Akkumulation voranzugehen; er musste, vorher noch, seine konterrevolutionäre Rolle hinter dem Banner des „Sozialismus in einem Land“ verdecken, Vorläufer der „nationalen, friedlichen und demokratischen Wege zum Sozialismus“, Nachfolger der Sozialdemokratie bei der Einberufung der Proletarier aller Länder zum gegenseitigen Massaker an den Fronten des zweiten imperialistischen Konflikts.

Deshalb setzt sich für uns die Linie fort, die von Marx zu Lenin, zur Gründung der Dritten Internationale und zu ihren ersten glänzenden Jahren geführt hatte – im Kampf der „italienischen“ kommunistischen Linken gegen die ersten Manifestationen einer opportunistischen Gefahr (nur Gefahr am Anfang; dann rohe, materiell bestimmte Realität) in der Internationale, und im parallelen Kampf der russischen Opposition gegen den Stalinismus und dessen Aufstieg an die Spitze des Sowjetstaates und Lenins Internationale im Jahr 1926.

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Der Stalinismus, der sich zwischen 1928 und 1932 mit einem falschen linken Anstrich maskiert hatte, bedeutete die politische und organisatorische Entwaffnung des Proletariats gegenüber der nazi-faschistischen Offensive; bedeutete gleich danach seine weitere Entwaffnung, mit den Volksfronten in Frankreich, vor allem aber in Spanien, wo er die wiederauflebenden Flammen des Klassenkampfes löschte – im Namen der Verteidigung des republikanischen Regimes und durch die Regierungskoalition mit bürgerlichen und opportunistischen Parteien; bedeutete den Beitritt zum Zweiten Weltkrieg unter dem Banner von Freiheit und Vaterland, den Eintritt „kommunistischer“ Parteien nicht mehr nur in Volksfronten, sondern auch in Bündnisse für den Widerstand und die Nation, die Teilnahme an den nationalen Wiederaufbauregierungen nach dem Krieg, den endgültigen und daraus folgenden Übergang zur formellen Ablehnung der Diktatur des Proletariats und des Internationalismus und das ausdrückliche Eintreten für die Rettung der Nationalökonomie in der Krise und der demokratischen Institutionen im Koma.

Daher ist die Linie, die Marx und Engels mit Lenin verbindet, mit der Gründung der Kommunistischen Internationale, mit dem Kampf der Linken früher gegen die Degeneration der Internationale selbst und danach gegen die stalinistische Konterrevolution, untrennbar mit dem historischen Kampf gegen die Volksfronten, kriegerische, nationale Fronten und deren Variationen verbunden, bis zu den jüngsten Erscheinungsformen eines Opportunismus, der in Bezug auf Virulenz nicht einmal in den blutigen Reihen der alten deutschen Sozialdemokratie zu finden ist. Sie ist untrennbar verbunden mit der Verurteilung sowohl der im Wesentlichen faschistischen Tendenz, auch wenn sie als Demokratie getarnt ist, des kapitalistischen Imperialismus mit einem Machtzentrum in Washington als auch des falschen, bis vor drei Jahrzehnten in Moskau oder, noch heute, in Peking regierenden Sozialismus, der auf der Produktion von Waren, Lohnarbeit und allen anderen bürgerlichen Wirtschaftskategorien basierte.

Die Wiederaufnahme des roten Fadens der Lehre, des Programms, der Prinzipien, der Praxis und der Organisationsmethoden des revolutionären Kommunismus erfordert für uns die Rückkehr zur weltweiten Vision der Kommunistischen Internationale in den Jahren ihrer Gründung, die im organisatorischen und taktischen Teil von der historischen Bilanz des letzten Jahrhunderts vervollständigt wurde, die den zähen Kampf der Kommunistischen Linken bestätigt hat, so wie es unsere Partei in dieser Nachkriegszeit, vor allem aber seit 1952, immer wieder getan hat, in einer langen Reihe von Texten, die jetzt in dem Band zur Verteidigung der Kontinuität des kommunistischen Programms gesammelt wurden.

Es gibt keinen Schnittpunkt zwischen Demokratie und Kommunismus; es gibt keine anderen Wege zur proletarischen Emanzipation als die, die bereits in der Gegenwart außerhalb und gegen die offiziellen bürgerlichen Institutionen – demokratisch oder faschistisch – die proletarische Revolution vorbereiten; diese Vorbereitung schließt die Verwendung von Wahlen und, noch schlimmer, des Parlaments aus, auch als Mittel der Agitation; sie wird einerseits durch die ständige Teilnahme an den unmittelbaren Kämpfen der Arbeiter_innenklasse zur Verteidigung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen und ihrer Erweiterung, Stärkung und Entwicklung auf Klassenbasis und mit Klassenmitteln, und andererseits durch die unermüdliche Propaganda des Endziels der proletarischen Bewegung verwirklicht, ein Zweck, für den der Kampf um Forderungen eine Kriegsschule – und nur eine Schule – ist, aber nur, wenn er konsequent geführt wird und wenn man seine Grenzen nicht vergisst und verbirgt; durch die Organisation der Proletarier um die Partei herum, die sich der unentbehrlichen Wege und Voraussetzungen des endgültigen Sieges bewusst geworden sind; durch die Stärkung der unmittelbaren Organismen, die aus dem ökonomischen und gewerkschaftlichen Kampf entstehen, aufgrund der Untätigkeit und völligen Integration der zentralen Gewerkschaften in den bürgerlichen Staat, und die ein Entwicklungspotential auch im politischen Sinne enthalten; und schließlich durch den Kampf innerhalb dieser zentralen Gewerkschaften in der Perspektive, die nicht ausgeschlossen und nicht gesichert werden kann – in Situationen sehr hoher sozialer Spannung, die heute weit entfernt sind – sie nicht nur für die rote Tradition, sondern für die kommunistische Führung zurückzugewinnen.

Auf diesem Weg gibt es weder Platz für die spontaneistische, leider immer wiederentstehende Illusion, einer Revolution und einer proletarischen Diktatur, die nicht von der Partei vorbereitet und geleitet wird, noch für die trotzkistische Illusion einer fatalen Krise des Kapitalismus, wo nur der Stoß einer organisierten Avantgarde ausreichen würde, um ihn zum zusammenzubrechen zu bringen, durch die Zwischenstufe der „Arbeiter_innenregierungen“, die sich aus Parteien zusammensetzen würden, die längst der Konterrevolution beigetreten sind, die aber dank des Schubes der kämpfenden Massen und der geschickten Manöver der Kommunist_innen als regenerierbar betrachtet werden könnten, ebenso wie angeblich die „degenerierten Arbeiterstaaten“ wie China, Kuba oder ähnliches, für die Sache des revolutionären Proletariats zurückerobert werden könnten. Während im Arbeiter_innen-Spontaneismus ein sehr alter Gegner des Marxismus wiedergeboren wird, werden im „trotzkistischen“ Illusionismus (ein Adjektiv, vor dem Trotzki trotz seiner Fehler heute als erstes erröten würde) die taktischen Verwirrungen der dekadenten Internationale noch schlimmer wiedergeboren, und in ihrem Gefolge jene Abweichungen von den Grundsätzen der ursprünglichen Lehre, die die einzige Erklärung für die Verwechslungen von Verstaatlichungen in der Industrie und von Planwirtschaft an sich mit dem Sozialismus liefern.

Das Proletariat braucht heute mehr denn je Klarheit: über die Ziele, Wege und Mittel seiner Emanzipation. An dieser Klarheit bemühen wir uns, ohne Arroganz, aber ohne Zögern zu arbeiten, bewusst, um als „kleine kompakte Gruppe, einen steilen und schwierigen Weg“ zu gehen, aber entschlossen, der Lehre Lenins treu, „nicht nur gegen den Sumpf, sondern gegen die, die auf ihn zugehen“ zu kämpfen.

Dies erfordert die schwierige Arbeit der Wiederherstellung der revolutionären Theorie und Organisation in Verbindung mit der Arbeiter_innenklasse gegen jede personenbezogene und parlamentarische Politik.

Übersetzt aus dem Italienischen, Original vom Mai 2019

Internationale Kommunistische Partei
(Kommunistisches Programm)

 

Il Programma Comunista

Kommunistisches Programm

The internationalist