Lasst uns nicht vergessen, was der 1. Mai ist!

Für uns ist der 1. Mai niemals ein einfaches Gedenken, ein ritualisierter Jahrestag oder ein “Fest” gewesen. Im Gegenteil, er ist immer ein Kampfappell gewesen, der in sich die Geschichte und die Erfahrung des weltweiten Proletariats und den Blick in die Zukunft vereinte: eine zu erobernde Zukunft, für die es notwendig ist, mit Zähnen und Klauen zu kämpfen, weil sie einem nicht in den Schoß fällt wie eine reife Birne.

Noch weniger ist heute, 2020, der 1. Mai ein “Fest”. Die Umstände, die mit der Pandemie von Covid-19 verbunden sind, haben ein Mal mehr die Härte der Klassengesellschaft, der kapitalistischen Gesellschaft gezeigt. Hunderte und hunderttausende von Arbeitsorten auf der ganzen Welt bleiben offen und ohne elementarste Schutzmaßnahmen. Während fast alle anderen Bereiche “im Interesse von allen” geschlossen wurden, sind die Arbeiter und Arbeiterinnen als Schlachtvieh behandelt worden. Es wird durch die Fakten demonstriert, dass diese Produktionsweise, gerade wegen dem Profitgesetz, dem Wettbewerb und der Ausbeutung, nicht nur unfähig ist, die Widersprüche zu lösen, die sie selber produziert: der Gebrauch, der überall in diesen Wochen von der Pandemie und dem Notstand gemacht wurde, der Krankheit und der Medizin, proklamiert auch, in klaren Worten, dass es nicht stimmt, dass “wir alle im selben Boot sitzen”!

Wir wiederholen es noch einmal: es ist nicht der Virus, der die Krise verursacht. Die Funktionäre des Kapitals benutzen den Virus, um die Einführung von antiproletarischen Maßnahmen zu beschleunigen – zur Verteidigung von klaren Kapitalinteressen in der ökonomischen Krise, die sich schon weit vor dem Ausbruch der Pandemie ausgebreitet hat. Wir wollen deshalb diese x-te proletarische Trauerzeit (weil es sich hierbei um einen allgemeinen Mord an der Klasse handelt) dazu nutzen, um zu versuchen, “ein Jahr” des Kampfes zu beginnen, nicht nur um Löhne: Bereiten wir uns darauf vor, all die “gesellschaftlichen” und nationalen Solidaritätsmaßnahmen zu boykottieren, die angeblich eingeführt werden, weil “wir in einer Notstandssituation sind”. Antworten wir, wo auch immer möglich, auf die Wiedereröffnung von Arbeitsorten, unter dem totalen Hohn für die Gesundheit der Proletarier und Proletarierinnen, mit “dem zuhause bleiben”, mit “sich kollektiv krank melden”, mit dem sich Fernhalten von der Arbeit durch kollektive Taktiken des sich “Enthaltens”, mit Streiks, die die Schließung durchsetzen. Nicht als individuelle Entscheidung oder Initiative, oder auf bestimmte Sektoren beschränkt, sondern als organisierte Antwort auf die unternehmerische und staatliche Erpressung!

Sie wollen durchsetzen, zur Arbeit zurückkehren zu müssen, um “die nationale Ökonomie wiederaufzubauen”. Sie werden uns daran hindern, Versammlungen, Veranstaltungen, Demonstrationen durchzuführen, indem sie uns wegen “fahrlässigem Umgang mit der Epidemie” anzeigen, wenn wir dies versuchen, wenn nicht sogar wegen “aufrührerischen Versammlungen” oder “Aufständen”. Sie werden uns anklagen, die “nationale Anstrengung” zu boykottieren und die Bullen gegen uns losschicken, um uns mit Krawallen zu überziehen mit gepanzerten Fahrzeugen, Hubschraubern und Drohnen, Staatsanwälten und Richtern, der legalen und illegalen Macht des Staates. Wir antworten darauf, dass die “Nationalökonomie” die “Ökonomie des Kapitals” ist, keine Sache, die uns betrifft, stattdessen bekämpfen wir sie, weil sie die Wurzel aller Tragödien ist, die uns massakrieren, von der aktuellen Pandemie bis zur fortschreitenden Zerstörung der Umwelt, von den nie enden wollenden Blutbädern an den Flüchtlingen bis zu den periodischen, immensen Zerstörungen wertvoller kollektiver menschlicher Energie und den blutigen Kriegen, die zu einem neuen verwüstenden weltweiten Konflikt hinführen… Dies ist ihre diktatorische Demokratie oder ihre demokratische Diktatur, die direkt von den vorhergehenden anti-proletarischen Regimen übernommen wurde.

Wir werden uns deshalb immer mehr und immer besser organisieren müssen, um Widerstand dagegen leisten zu können. Es müssen territoriale Kampf- und Verteidigungsorganisationen wiederentstehen, die sich allen Aspekten der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Proletarier – egal ob erwerbstätig oder nicht – widmen, ohne Unterscheidung nach Alter, Geschlecht, Herkunft, ökonomisch-sozialer Einordnung. Organisationen, die sich nicht in verwüstenden Eifersuchtskämpfen oder schädlichen ideologischen Geplänkeln verlieren. Ihre verbreitete und aktive Präsenz, ihre Fähigkeit auf die Angriffe des Kapitals jenseits und gegen die Zersetzungsarbeit der Regimegewerkschaften zu antworten, wird das notwendige und nützliche Training darstellen, um von der Verteidigung zum Angriff überzugehen. Um zu vermeiden, dass dieser Weg in einer neuen, schmerzhaften Niederlage endet, wird die Stärkung und Verankerung der revolutionären Partei auf weltweiter Ebene notwendig sein, dem notwendigen Organ der proletarischen Klasse, um Schluss zu machen mit dieser infamen Produktionsweise, die bereits nur noch destruktiv und mörderisch ist und um den Weg der Revolution einzuschlagen, der Ergreifung der Macht, der Errichtung der proletarischen Diktatur – hin zur endlich klassenlosen Gesellschaft, zum Kommunismus.

Das ist es, was der 1. Mai ist.

Internationale Kommunistische Partei